Gruyère ist unter der Bezeichnung Le Gruyère AOP als Schweizer AOP-Käse in der ganzen Schweiz geschützt. Aufgrund eines gemeinsamen Abkommens über die gegenseitige Anerkennung der Herkunftsbezeichnungen aus dem Jahr 2011 gilt dieser Schutz auch in der Europäischen Union. Gruyère AOP darf damit nur in einem eng begrenzten Gebiet in der Westschweiz hergestellt und unter diesem Namen angeboten werden.
Die Wurzeln des Gruyère reichen weit zurück. Schon in der Antike lebten Kelten, Helvetier und Römer in der Ursprungsregion Charmey. Die Römer beherrschten bereits die Kunst der Käseherstellung. Einer Legende zufolge soll sogar Kaiser Titus Aurelius im Jahr 161 n. Chr. nach übermäßigem Genuss von Käse aus der Gruyère-Region an einer Verdauungsstörung gestorben sein.
Erstmals wurde die Käseherstellung in der Region im Jahr 1115 schriftlich erwähnt. Ab dem 14. Jahrhundert wurde Gruyère über die Region hinaus gehandelt und fand seinen Weg nach Vevey, Genf, Italien, Paris und Lyon. Ab 1860 wurde er sogar nach Holland und England sowie in deren Kolonien exportiert.
Der Name „Gruyère“ erscheint erstmals 1602 in historischen Aufzeichnungen. 1762 nahm die Académie française den Begriff als Bezeichnung für einen Käse aus der Gruyère-Region in ihr Wörterbuch auf.
Für ein Kilogramm Le Gruyère AOP werden rund 12 Liter Milch benötigt. Die Milch stammt ausschließlich von Kühen, die ohne Silage gefüttert werden und in einem Umkreis von maximal 20 Kilometern um die Käserei gehalten werden.
Traditionell werden die Abendmilch des Vortags und die Morgenmilch gemeinsam in offenen Kupferkesseln verarbeitet. Nach der Zugabe von Milchsäurekulturen und Lab wird die Milch dickgelegt, der Käsebruch geschnitten und unter Rühren schonend auf 53 bis 57 °C erwärmt.
Anschließend gelangt der Käsebruch in runde Formen, die bereits mit der Herkunftsbezeichnung Le Gruyère AOP sowie der Zulassungsnummer der Käserei gekennzeichnet sind. Jede Form erhält zudem eine Kaseinmarke mit den Angaben zur Käserei, zum Laib und zum Herstellungsdatum. Danach wird der Käse mindestens 16 Stunden gepresst.
Nach einem Tag in der Salzlake beginnt die Reifung auf unbehandelten Fichtenholzgestellen. Bei 12 bis 18 °C und hoher Luftfeuchtigkeit reift Gruyère AOP mindestens fünf Monate. Während der ersten Reifephase werden die Laibe regelmäßig mit Salzwasser gepflegt und gewendet, damit sich die typische Rinde entwickeln kann.
Wichtig dabei: Mindestens drei der fünf Reifemonate müssen im Produktionsgebiet erfolgen, die gesamte Reifung findet ausschließlich in der Schweiz statt.
Die Taxation: Strenge Qualitätsprüfung für Gruyère AOP
Während seiner Reifung durchläuft Le Gruyère AOP insgesamt drei Qualitätskontrollen. Besonders wichtig ist die zweite Prüfung nach etwa viereinhalb Monaten. Bei dieser sogenannten Taxation bewerten Experten der Sortenorganisation Gruyère gemeinsam mit erfahrenen Käsern jeden einzelnen Laib nach festgelegten Kriterien.
Le Gruyère AOP präsentiert sich als großer, runder Käselaib mit einer bräunlichen, geschmierten Rinde. Sein Teig ist elfenbeinfarben, fein, leicht
feucht und angenehm geschmeidig. Kleine Löcher von 4 bis 6 Millimetern gelten als Qualitätsmerkmal, sind jedoch nicht vorgeschrieben. Auch einzelne feine Risse sind zulässig.
Geschmacklich überzeugt Gruyère AOP mit einer ausgewogenen Salzigkeit und fruchtigen Noten. Je nach Herkunftsregion spiegelt sich zudem das jeweilige Terroir wider, wodurch unterschiedliche geschmackliche Nuancen entstehen.
Je nach Reifezeit werden verschiedene Varianten angeboten:
• Mild: mindestens 5 Monate gereift
• Mittelreif: etwa 8 Monate gereift und die am häufigsten verkaufte Variante
• Rezent: rund 10 Monate gereift
• Gruyère surchoix AOP: mindestens 12 Monate gereift
Darüber hinaus gibt es besondere Spezialitäten wie den höhlengereiften Gruyère, der in natürlichen Steinhöhlen reift. Eine weitere Variante ist der Gruyère Premier Cru.
Auch gibt es noch den Gruyère d`Alpage. Bei diesem handelt es sich um einen Hartkäse, der nur auf den Alpen des Freiburger Voralpenlandes und in den Kantonen Bern und Bern hergestellt werden darf. Die verwendete Milch muss von derselben Alp oder einer benachbarten Alp im Umkreis von höchstens zehn Kilometern stammen.
Le Gruyère AOP ist vielseitig und eignet sich sowohl pur als auch für die warme Küche. Je nach Reifegrad entfaltet er milde, fruchtige oder kräftig-würzige Aromen und eignet sich hervorragend für unterschiedliche Genussmomente.
Zu einem milden Gruyère AOP passen trockene, fruchtbetonte Weißweine wie Chasselas, Riesling oder Pinot Blanc. Sie unterstreichen die feinen Milcharomen und die dezente Fruchtigkeit des Käses.
Mit zunehmender Reife entwickelt Gruyère AOP intensivere, würzigere und nussigere Noten. Dann dürfen die Weine etwas mehr Struktur mit-bringen. Empfehlenswert sind ein Chardonnay, ein Weißburgunder oder leichte Rotweine wie Pinot Noir.
In seiner Heimat wird Gruyère AOP traditionell gerne mit einem Schweizer Chasselas genossen. Die frische Säure und die feine Mineralität des Weins sorgen für ein besonders ausgewogenes Geschmackserlebnis.
Für jungen und milden Gruyère AOP eignen sich besonders helle, feinwürzige Biere wie ein Helles Lager, Kellerbier oder ein Blondes Ale. Ihre milde Malzsüße unterstreicht die fruchtigen und milchigen Aromen des Käses.
Ein mittelreifer Gruyère AOP passt hervorragend zu einem naturtrüben Kellerbier, Märzen oder einem Belgischen Blondbier. Die malzigen Noten greifen die nussigen Aromen des Käses auf und sorgen für ein harmonisches Geschmackserlebnis.
Bei lang gereiftem Gruyère AOP, etwa Surchoix oder Premier Cru, dürfen die Begleiter kräftiger ausfallen.
in naturtrübes Kellerbier ist ein echter Allrounder zu Gruyère AOP. Die ausgewogene Balance aus Malz, leichter Hopfenwürze und frischer Kohlensäure macht es zu einem besonders vielseitigen Begleiter.
Le Gruyère AOP harmoniert besonders gut mit fruchtigen Begleitern, die seine nussigen, salzigen und je nach Reife auch würzigen Aromen perfekt ergänzen.
Für eine genussvolle Käseplatte kombinieren Sie Gruyère AOP mit Birnen, Trauben, Feigen und Walnüssen. So entsteht ein harmonisches Zusammenspiel aus Süße, Fruchtigkeit, Cremigkeit und Würze.
Le Gruyère AOP entfaltet seine Aromen besonders gut in Kombination mit Broten, die seinen Charakter unterstützen, ohne ihn zu überdecken. Je nach Reifegrad bieten sich unterschiedliche Begleiter an.
Besonders gut passen kräftige Brote mit einer guten Kruste. Sauerteigbrot bringt eine angenehme Säure mit, während Walnussbrot die nussigen Aromen gereifter Varianten aufgreift.